Hohe Einsatzbereitschaft, wenig Unterstützung – Feuerwehr Walsrode blickt auf das Jahr 2024 zurück

Walsrode (sp) – „Ein fast normales Jahr für die Feuerwehr Walsrode“, so eröffnete Ortsbrandmeister Torsten Helberg die diesjährige Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr. Dennoch konnte 2024 ein bedeutender Meilenstein erreicht werden: Erstmals wurde ein vollständig beladenes Einsatzfahrzeug – das TSFW-Sonder – in Dienst gestellt. Eine technische Errungenschaft, die die Schlagkraft der Feuerwehr weiter stärkt.

Die Ortsfeuerwehr Walsrode bestand im Berichtsjahr aus 131 Mitgliedern, darunter 85 aktive Einsatzkräfte und Doppelmitglieder. Insgesamt wurden 185 Einsätze bewältigt, für die die Ehrenamtlichen beeindruckende 3.562 Stunden aufbrachten. Statistisch gesehen bedeutete das alle zwei Tage eine Alarmierung, die immer wieder ungeplant den Alltag durcheinanderbringt. „Wir erwarten keine Konfettikanone" äußerte sich Sascha Wenzel der stellvertretende Ortsbrandmeister, aber mehr Unterstützung sei erwünscht. "Jeder hier kann stolz auf die Leistung sein und sollte sich nicht verstecken“, betonte Wenzel. Torsten Helberg dankte allen Kameradinnen und Kameraden für ihren unermüdlichen Einsatz – ebenso wie deren Familien und Arbeitgebern, die trotz des Fachkräftemangels die Freistellung für Einsätze ermöglichen.

Die Stimmung in der Feuerwehr ist jedoch gedämpft. Man fühlt sich nicht ernst genommen. „Wir verlangen keine goldenen Wasserhähne, aber eine angemessene Trennung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sowie eine geschlechtergerechte Umkleide sollte möglich sein“, machte Helberg deutlich. Das Feuerwehrhaus ist seit 2012 eine Dauerbaustelle, die den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Bereits 2018, bei der Erstellung des Feuerwehrbedarfsplans, war der Platz für die damals 60 Einsatzkräfte zu knapp bemessen – bei der aktuellen Mannschaftsstärke von knapp 90 ist die Situation nicht mehr tragbar. „Der Feuerwehrbedarfsplan für die Feuerwehr Walsrode muss endlich umgesetzt werden“, forderte Wenzel mit Nachdruck. Die anhaltenden Verzögerungen sorgen für zunehmenden Frust, und auch die Ortsfeuerwehrführung findet kaum noch Worte, um die Situation zu erklären oder gar zu entschuldigen.

Trotz der Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen. Die Kinderfeuerwehr „Feuerfüchse“ unter der Leitung von Susanne Nieber und ihrer Stellvertreterin Eva Berger vermittelt aktuell 17 Kindern spielerisch Wissen über Gerätschaften und Schutzausrüstung. Der Spaß kommt dabei nicht zu kurz: Ein Besuch im Weltvogelpark Walsrode, die Übernachtung im Feuerwehrhaus und die Teilnahme an einem Orientierungsmarsch gehörten zu den Highlights. Auch die 20 Mitglieder der Jugendfeuerwehr unter Achim Kretschmer, Inken von Fintel und Pierre Langer erlebten ein abwechslungsreiches Jahr. Neben technischer Ausbildung standen Werte wie Kameradschaft, freiwilliges Engagement und Mitbestimmung im Fokus. Ein besonderer Meilenstein war die erste Teilnahme der Jugendlichen am Dienst der Aktiven, um Wertschätzung erlebbar zu machen. Höhepunkt des Jahres war der Besuch des Landeszeltlagers in Halvestorf.

Traditionell wurden auch einige Mitglieder der Feuerwehr geehrt oder befördert. Phil König, Sven Seifert, Fabian Gries, Christopher Müller und Christoph Ulbricht wurden zum Oberfeuerwehrmann befördert. Denise Kleinhans und Sina Potratz freuten sich über die Beförderung zur Hauptfeuerwehrfrau. Tobias Surma und Dennis Krämer wurden zum Löschmeister befördert. Achim Kretschmer und Florian Höper tragen nun den Dienstgrad des Oberlöschmeisters. Zu guter Letzt wurde Sascha Wenzel zum Hauptlöschmeister befördert. Schon im November 2024 wurden Reiner Helberg und Harry Böhm die Ehrung für 40 Jahre Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr geehrt. Karl-Heinz Marquardt wurde für 50 Jahre und Eckhard Höfer für 60 Jahre geehrt. Rainer Seebeck erhielt für sein großes Engagement in viel Sparten in den letzten Jahren einen Präsentkorb überreicht. Auch Malte Lilke, der teilweise bis spät in die Nacht Pizza im Feuerwehrhaus zauberte, bekam ein kleines Dankeschön überreicht.

In seinen Grußworten betonte Wolfgang Puschmann, stellvertretender Bürgermeister, dass er schon viele Jahreshauptversammlungen besucht habe – aber noch bei keiner so nachdenklich war. Die Stadt wurde deutlich kritisiert. „Ich kann nur von Herzen Danke sagen. Alle wissen um die Bedeutung der Feuerwehr, aber ein ausdrücklicher Dank kommt viel zu selten“, so Puschmann. „Ohne die Feuerwehr würde unser Gemeinwesen nicht funktionieren.“

Auch Gerold Bergmann, Abschnittsleiter Süd, würdigte das Engagement der Feuerwehrleute. Neben den Einsätzen in Walsrode sind die Kräfte auch überörtlich und auf Kreisebene aktiv – insbesondere in den Sondergruppen Gefahrgut und Drohne. Als Ausblick auf die Zukunft kündigte er eine Neuaufstellung der Kreisfeuerwehrbereitschaft an.

Stadtbrandmeister Michael Schlüter sprach die Überalterung des Fuhrparks an, dessen Durchschnittsalter derzeit 17 Jahre beträgt. Mit der bevorstehenden Lieferung eines neuen LF 20 (geplant für Mai/Juni), sowie der Ausschreibung eines neuen ELW und einer neuen Drehleiter (DLK), werde sich dieser Wert in den kommenden Jahren verbessern. Auch er zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit innerhalb der Feuerwehr: „Wir haben euch verstanden und werden euch mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen.“

heidekreis-bottom